Archiv der Kategorie: Krimi

Jo Nesbø: Leopard

Jo Nesbø hat mit seinem neuesten Werk einen Skandinavienkrimi geschrieben, der alles aufweist, was einen richtigen Skandinavienkrimi ausmacht: ein gebrochener Kommissar, brutale Morde, eine verzwickte Geschichte, ein großes Maß an Spannung, ein Kommissar, der mehrmals fast draufgeht, sich aber James-Bond-mäßig jedes Mal doch noch selbst heraushauen kann, große und kleine Schicksalsschläge, die dem Kommissar das Leben schwer machen und Hintergründe, die Zweifel an unserer Gesellschaft aufkommen lassen. Das hat Suchtpotential.

In Leopard treibt erneut ein Serienmörder sein Unwesen in Oslo. Er tötet scheinbar wahllos, verwendet dabei aber ein ganz spezielles Mordinstrument.

Die Ermittler sind ratlos und treten auf der Stelle. Dazu kommen Kompetenzstreitigkeiten zwischen den Behörden. Das Kriminalamt hat den Fall an sich gerissen, das Morddezernat soll überflüssig gemacht werden.

Hier soll Harry Hole, der sich nach seinem letzten Fall endgültig nach Hongkong abgesetzt hatte, wieder ins Spiel gebracht werden. Widerwillig lässt er sich von seiner Kollegin Kaja Solness nach Norwegen zurückholen, wo sein kranker Vater im Sterben liegt. Diesmal macht sich Harry durch geschmuggeltes Opium, mithilfe dessen er versucht, seine Alkoholsucht   in den Griff zu bekommen, angreifbar.

Tatsächlich gelingt es Harry schnell, einen Zusammenhang zwischen den Mordopfern herzustellen, alle übernachteten in der gleichen Nacht in derselben Berghütte, doch von der Liste der Übernachtungsgäste fehlt jede Spur.

Was ist dort in dieser Nacht vorgefallen? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn sobald ein neuer Übernachtungsgast ausgemacht werden kann, ist es meistens bereits zu spät, um noch eine Erklärung für die Vorfälle in der besagten Nacht zu erhalten.

Die Spuren führen schließlich bis in den Kongo und lange scheint es, als sei der Mörder immer einen Tick voraus. So bleibt es spannend bis zum Schluss…

Jussi Adler-Olsen: Erbarmen

Mal wieder ein toller skandinavischer Krimi, der alles hat, was man von einem skandinavischen Krimi so erwartet, ein bisschen Brutalität und Härte und ein gebrochener Kommissar, der einige Krisen durchmacht. Darüber hinaus ist Erbarmen teilweise aber auch lustig, mit fast schon skurrilen Details versehen und  spannend natürlich auch.

Carl Mørck, Vizekriminalkomissar in Kopenhagen, Dänemark hat’s nicht leicht. Bei seinem letzten Einsatz wurde einer seiner Teamkollegen getötet, der andere liegt querschnittgelähmt im Krankenhaus und er, Carl Mørck befindet sich mitten in einer Lebenskrise (auch Midlife Crisis genannt), hat keine Lust mehr auf seinen Job, mutiert zur Nervensäge und wird mit seiner üblen Laune für alle Kollegen zur Zumutung.

Seine Vorgesetzten wittern ihre Chance als von der Regierung ein Sonderdezernat gefordert wird, das sich um ungelöste Fälle kümmern soll und dafür finanziell stark gefördert wird und schieben Carl Mørck mitsamt dem neuen Sonderdezernat Q ab in den Keller. Zur Unterstützung erhält er einen syrischen Assistenten, Assad, der zuerst eher als Reinigungskraft gedacht war, später natürlich zu Mørcks wichtigstem Mitstreiter wird, der einiges zur Aufklärung ihres ersten Falls beitragen kann.

Als sich Carl Mørck schließlich aus seiner Lethargie aufmacht, den ersten Fall näher zu betrachten, wird’s auch schon spannend. Die charismatische Politikerin Merete Lynggard verschwand vor 5 Jahren spurlos von einer Fähre, auf der sie sich mit ihrem behinderten Bruder Uffe befand. Eine Leiche wurde nie gefunden und auch sonst fehlt von ihr jede Spur.

Auf einer zweiten Erzählebene wird derweil immer wieder erzählt, was mit Merete Lynggard in den letzten 5 Jahren passierte. Tatsächlich wurde sie entführt und seitdem in einem Betonbunker gefangen gehalten und wortwörtlich unter Druck gesetzt. Denn sie soll für etwas büßen, dass mit ihrer Lebensgeschichte zu tun hat. Erst dann wollen ihre Peiniger ihrem Leben ein Ende setzen.

Stück für Stück stoßen Carl Mørck und Assad in der Zwischenzeit auf immer mehr Details, die in den bisherigen Ermittlungen übersehen wurden und kommen Merete Lynggards Entführern immer mehr auf die Spur. Doch werden sie Merete noch rechtzeitig finden? Und wofür muss sie auf diese erbärmliche Weise büßen? Es wird auf jeden Fall spannend…

Simon Beckett: Flammenbrut

Simon Becketts Pendant zu Obsession (in gleicher Reihe und Aufmachung erschienen) habe ich als Hörbuch angehört, das ich wirklich empfehlen kann. Es ist unterhaltsam und spannend, aber vor allem durch die Stimme des Sprechers gut interpretiert.

Über eine weite Strecke des Buches hat die darin beschriebene Story eher unterhaltsamen Charakter. Eine Geschäftsfrau, die beruflich erfolgreich, aber mit Männern eher schlechte Erfahrungen gemacht hat, möchte unbedingt ein Kind bekommen. Wegen besagter schlechter Erfahrungen möchte sie dabei nicht warten, bis sich ein geeigneter Partner findet. Stattdessen sucht sie per Zeitungsannonce nach einem Spender. Die einzige ernstzunehmende Rückmeldung, die sie erhält, scheint ein Glückstreffer zu sein. Alex Turner ist der perfekte Kandidat. Und was als unverbindlicher Kontakt begann, erweitert sich sogar in eine hoffnungsvolle Liebesgeschichte.

Doch leider ahnt der Leser die ganze Zeit, dass dieses Glück nicht von Dauer sein kann, denn bereits im Prolog werden Verfolgungsjagd und Benzingeruch heraufbeschworen. So geschieht dann auch bald der erste Mord, der die Ereignisse ins Rollen bringt.

Auch Flammenbrut ist nicht nur eine spannende Geschichte, sondern wirft auch einige ethische Fragen auf. Empfehlenswert (als Buch wie als Hörbuch).

Simon Beckett: Obsession

Als absoluter Fan von Simon Becketts David-Hunter-Krimis (Chemie des Todes, Kalte Asche, Leichenblässe) war ich sehr gespannt, ob seine früheren Werke, die nun im Erfolg seiner Bestseller nachträglich bei uns erschienen sind, wohl auch etwas taugen würden.

Naja, an Chemie des Todes und seine Nachfolger kommen Obsession und Flammenbrut nicht heran, aber trotzdem muss ich sagen, sind sie spannend und die darin entfalteten Story-Ideen haben etwas.

Obsession beginnt tragisch. Bens Frau Sarah stirbt ganz plötzlich und lässt Ben mit ihrem autistischen Sohn Jacob zurück. Doch nicht genug. Beim Aufräumen ihrer gemeinsamen Wohnung macht Ben eine unglaubliche Entdeckung: Jacob war gar nicht Sarahs leibliches Kind, stattdessen häufen sich die Indizien, dass Sarah ihn als Baby entführt hat. Wie soll Ben nun damit umgehen?

Jacobs leiblicher Vater kann schnell ermittelt werden und Ben lässt zu, dass dieser Jacob zu sich nimmt. Doch als Ben an seinem ersten Besuchstag sang- und klanglos abgewiesen wird, fällt ihm schnell auf, dass mit dieser Familie etwas nicht stimmt.

Um Jacob zu schützen, macht sich der gelernte Fotograf auf, herauszufinden, welchen Obsessionen Jacobs leiblicher Vater und dessen Frau frönen, doch diese Aufgabe wird plötzlich ihm zur Obsession. Kann Ben noch rechtzeitig eingreifen und Jacob retten?

Interessant, wie hier mit verschiedenen Perspektiven gespielt wird und wie man ins Nachdenken gerät, was tatsächlich das beste für Jacob sein könnte. Und natürlich wird’s zum Schluss hin ganz schön spannend.