Monatsarchiv: März 2010

Maarten’t Hart: Der Schneeflockenbaum

Zunächst haben mich bei diesem Buch das schöne Cover und der besondere Titel angesprochen und mich gereizt, herauszufinden, was sich dahinter verbergen würde.

Der Beginn des Buches schien deshalb erst einmal gar nicht zu meinen Erwartungen zu passen. Leicht irritiert begann ich die Beschreibungen des Protagonisten von der Busfahrt zur Beerdigung des zweiten Mannes seiner Mutter mit der gesamten Großfamilie, die allesamt etwas wunderlich schienen, zu lesen und war etwas erleichtert, als dieser Teil beendet war.

Doch dann entfaltete sich Stück für Stück eine erstaunliche Geschichte über Freundschaft und Liebe und dies fast komplett ohne Kitsch.

Die Freundschaft zwischen unserem Protagonisten und Jouri beginnt bereits im Kindergarten. Und Jouris erste Handlung, als beide friedlich im Sandkasten sitzen, ist wegweisend: Als ersten Akt der neuen Freundschaft, spannt Jouri unserem Protagonisten die beste Freundin aus, indem er ihr ein „Spinnengrab“ schaufelt. Von da an ist es um sie geschehen.

Trotzdem werden die beiden Jungen unzertrennliche Freunde. Beide sind Außenseiter in der Schule, beide etwas seltsam, beide etwas schüchtern, beide ziemlich intelligent. Ihre Außenseiterrolle schweißt sie noch mehr zusammen und so gehen sie schließlich auch auf dasselbe Gymnasium. Dort widerfährt dem Protagonisten immer wieder dasselbe Schicksal: Sobald er sich in ein Mädchen verliebt hat und dieses auch nur ansatzweise ihm ebenfalls zugeneigt zu sein scheint, funkt Jouri dazwischen und plötzlich verlieren die Mädchen, eine nach der anderen, ihr Interesse an unserem Protagonisten, denn ihr Interesse für Jouri ist entfacht.

Wohin dies alles noch führen wird, welche Beziehungen aus eben dieser Situation entstehen und welche Folgen diese Freundschaft und die seltsame Tatsache hat, dass Jouri bereits vom ersten Kindergartentag an die Absicht zu haben scheint, unserem Protagonisten jede Freundin auszuspannen, wird sich im Laufe des Buches zeigen. Dabei und dazwischen lernen wir noch allerhand interessante Figuren und kuriose Geschichten kennen.

Am Ende bleibt es eine skurrile, clevere Geschichte, mit Tiefgang, Witz und einigen autobiographischen Einflüssen. So etwas liest man nicht alle Tage!

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Anna Gavalda: Ein geschenkter Tag

Ein neues Buch von Anna Gavalda und dazu noch mit  einem solch schönen, sommerverheißenden Coverbild? Das weckt hohe Erwartungen. Und es muss gesagt werden, es ist eine kleine, schöne Geschichte und eine Sommergeschichte. Aber leider auch nur eine kleine Geschichte, die schnell gelesen ist und in der sich nicht so viel entwickeln kann wie in Alles Glück kommt nie oder Zusammen ist man weniger allein. Und gerade diese Art und Weise, in der Anna Gavalda ihre Geschichten ausführt und entwickelt, gefällt mir so gut an ihren Büchern und fehlt mir hier ein wenig.

Die Geschichte gestaltet sich folgendermaßen: Drei Geschwister fahren gemeinsam zur Hochzeit ihres Cousins, Mit von der Partie ist die Frau des ältesten Bruders, die sich sehr schwer tut, mit seinen beiden Schwestern zurechtzukommen.

Am Hochzeitsort angekommen stellen sie fest, dass der Vierte im Bunde, ihr kleiner Bruder, nicht gekommen ist. Spontan beschließen die Geschwister, die Hochzeit noch vor deren Beginn zu verlassen und ihren kleinen Bruder zu besuchen. Die Frau des ältesten Bruder lassen sie dabei ohne schlechtes Gewissen zurück.

Gemeinsam verbringen die vier Geschwister nun zwei wunderschöne Sommertage, voller Kindheitserinnerungen, Herumgealber und dem ungehemmten, natürlichen Verhalten, das man nur an den Tag legen kann, wenn man unter Menschen ist, die man wirklich gut kennt. Es kommen ein paar Details ans Licht, nur nebenbei erwähnt, die darauf schließen lassen, dass auch in der Kindheit nicht alles rosig war und dass jeder ein größeres oder kleineres Päckchen an Schwierigkeiten zu tragen hat, aber das sind nicht die Dinge, die in diesem Moment zählen. In diesen zwei Tagen zählt allein der Augenblick, das Zusammensein und das Zusammengehören.

So ist es doch eine schöne Geschichte, die zwar das Potential gehabt hätte, noch weiter und tiefer ausgeführt zu werden, die aber bei der Beschreibung des Augenblicks verharrt und uns für einen kurzen Moment mit dort hinein nimmt.