Monatsarchiv: Dezember 2009

Anna Gavalda: Alles Glück kommt nie

Ich glaube, ich bin ein bisschen Fan von Anna Gavalda. Ihr Buch Zusammen ist man weniger allein hat’s mir sehr angetan und auch Alles Glück kommt nie hat mir sehr gut gefallen.

Das große Überthema ist natürlich die Liebe und darum spielt dieser Roman auch in Paris, der Stadt der Liebe. Doch leider sieht es für die Hauptperson, Charles Balada, in Paris mit der Liebe nicht so gut aus. Als vielbeschäftigter Bauleiter ist er ständig unterwegs, mit dem Leben nicht zufrieden und mit seiner Lebensgefährtin Laurence hält ihn auch nur noch das Pflichtgefühl zusammen und deren Tochter Mathilde, die er irgendwie cool findet. Als er dann die Nachricht vom Tod Anouks, der Mutter seines besten Freundes aus Kindertagen, erhält, wirft ihn das vollends aus der Bahn, denn Anouk bedeutete ihm sehr viel und war weitaus mehr als die Mutter seines besten Freundes, mit dem ihn ebenfalls keine leichte Beziehung verbindet. Um mit seiner Mitlife-Crisis klar zu kommen, macht er sich auf, Anouks letzte Jahre zu rekonstruieren und verarbeitet dabei nicht nur sein Leben, sondern auch einige seiner gescheiterten Freundschaften und Beziehungen.

Dieser Weg führt ihn letztendlich weg von Paris, aufs Land, wo er Kate begegnet, die sein Leben auf den Kopf stellt. An dieser Stelle wird die Geschichte etwas kitschig und ist trotzdem so wunderschön, weil in dieser Landidylle und in Kates Großfamilie ein Traum von einer verloren gegangenen Kindheit heraufbeschworen wird, wie man sie sich in Geschichten immer wieder gerne zurückholt.

Es ist alles in allem eine wunderschöne Geschichte, natürlich auch mit Happy End und trotzdem sind so viele Biographienverläufe und Geschichten hineingewoben, die auch etwas Schmerzliches und Trauriges haben, dass ich mitgelitten und mich mit gefreut habe. Und all das in dieser wunderschönen und besonderen Sprache.

Simon Beckett: Flammenbrut

Simon Becketts Pendant zu Obsession (in gleicher Reihe und Aufmachung erschienen) habe ich als Hörbuch angehört, das ich wirklich empfehlen kann. Es ist unterhaltsam und spannend, aber vor allem durch die Stimme des Sprechers gut interpretiert.

Über eine weite Strecke des Buches hat die darin beschriebene Story eher unterhaltsamen Charakter. Eine Geschäftsfrau, die beruflich erfolgreich, aber mit Männern eher schlechte Erfahrungen gemacht hat, möchte unbedingt ein Kind bekommen. Wegen besagter schlechter Erfahrungen möchte sie dabei nicht warten, bis sich ein geeigneter Partner findet. Stattdessen sucht sie per Zeitungsannonce nach einem Spender. Die einzige ernstzunehmende Rückmeldung, die sie erhält, scheint ein Glückstreffer zu sein. Alex Turner ist der perfekte Kandidat. Und was als unverbindlicher Kontakt begann, erweitert sich sogar in eine hoffnungsvolle Liebesgeschichte.

Doch leider ahnt der Leser die ganze Zeit, dass dieses Glück nicht von Dauer sein kann, denn bereits im Prolog werden Verfolgungsjagd und Benzingeruch heraufbeschworen. So geschieht dann auch bald der erste Mord, der die Ereignisse ins Rollen bringt.

Auch Flammenbrut ist nicht nur eine spannende Geschichte, sondern wirft auch einige ethische Fragen auf. Empfehlenswert (als Buch wie als Hörbuch).

Simon Beckett: Obsession

Als absoluter Fan von Simon Becketts David-Hunter-Krimis (Chemie des Todes, Kalte Asche, Leichenblässe) war ich sehr gespannt, ob seine früheren Werke, die nun im Erfolg seiner Bestseller nachträglich bei uns erschienen sind, wohl auch etwas taugen würden.

Naja, an Chemie des Todes und seine Nachfolger kommen Obsession und Flammenbrut nicht heran, aber trotzdem muss ich sagen, sind sie spannend und die darin entfalteten Story-Ideen haben etwas.

Obsession beginnt tragisch. Bens Frau Sarah stirbt ganz plötzlich und lässt Ben mit ihrem autistischen Sohn Jacob zurück. Doch nicht genug. Beim Aufräumen ihrer gemeinsamen Wohnung macht Ben eine unglaubliche Entdeckung: Jacob war gar nicht Sarahs leibliches Kind, stattdessen häufen sich die Indizien, dass Sarah ihn als Baby entführt hat. Wie soll Ben nun damit umgehen?

Jacobs leiblicher Vater kann schnell ermittelt werden und Ben lässt zu, dass dieser Jacob zu sich nimmt. Doch als Ben an seinem ersten Besuchstag sang- und klanglos abgewiesen wird, fällt ihm schnell auf, dass mit dieser Familie etwas nicht stimmt.

Um Jacob zu schützen, macht sich der gelernte Fotograf auf, herauszufinden, welchen Obsessionen Jacobs leiblicher Vater und dessen Frau frönen, doch diese Aufgabe wird plötzlich ihm zur Obsession. Kann Ben noch rechtzeitig eingreifen und Jacob retten?

Interessant, wie hier mit verschiedenen Perspektiven gespielt wird und wie man ins Nachdenken gerät, was tatsächlich das beste für Jacob sein könnte. Und natürlich wird’s zum Schluss hin ganz schön spannend.

Anthony McCarten: Hand aufs Herz

Beim Versuch, einen Weltrekord zu brechen dabei sein? Toll. Auch wenn der Versuch darin besteht, so lange wie möglich eine Hand an ein Auto zu halten? Weniger toll. Doch da als Preis ein geräumiger Geländewagen von nicht geringem Wert winkt, lassen sich doch einige auf diesen Deal ein. Vierzig Teilnehmer an der Zahl, mit schwindender Tendenz, je weiter der Wettbewerb voranschreitet.

Einige davon werden im Laufe von „Hand aufs Herz“ näher beleuchtet. Tom, der Besserwisser mit Geldnöten oder Jess, die Politesse, die den Wagen dringend benötigen würde, um ihre schwerbehinderte Tochter samt Rollstuhl zur Schule fahren zu können. Alle haben ihre Gründe, die sie zum Durchhalten animieren. Doch wer wird sich am Ende als Sieger des Wettbewerbs behaupten können? Und wie wird der Wettbewerb die Teilnehmer verändern?

Vordergründig beschreibt Anthony McCartens in seinem Buch „Hand aufs Herz“ zwar einen Weltrekordversuch, hauptsächlich werden dabei aber einzelne Charaktere herausgegriffen und es wird dargestellt, was dieses Erlebnis mit ihnen macht, so dass man sich in die Charaktere hineinversetzt, mit ihnen leidet und seinen eigenen Favorit bestimmt. Kein Buch mit großer Action, aber mit toll gezeichneten Figuren.